Anlässlich des 900-jährigen Stadtjubiläums, haben 5 Künstlerinnen des AK Kunst Vauban e.V. eine zweiwöchige Ausstellung, die den Namen Freiburg ins Zentrum stellt, vorbereitet. Unsere Ausstellung fand im dritten Anlauf vom 13. Juni bist zum 27. Juni 2021 statt.

 

 

Es stellten aus:

Anne Peschlow

Ulrike Schubert

Christel Jax

Eva-Maria Berg

Annette Burrer

 

 

 aus unsererem Projekttext:

 

Frei-Burg

wie viel Burg braucht die Freiheit,
wie viel Freiheit braucht die Burg?

 

Anlässlich des 900-jährigen Stadtjubiläums, planen wir eine ein- bis zweiwöchige interaktive Kunstausstellung, die den Namen Freiburgs ins Zentrum stellt.

In Freiburg mit seinen wechselnden Zugehörigkeiten von Schweden über Österreich und Frankreich und nicht zuletzt mit dem Festungsbauer und Stadtteil-Namensgeber Sébastien Le Prestre de Vauban, wurden schon viele „Burgen“ gebaut und oft musste die Stadt ihre Freiheit verteidigen.
Auch städtebauliche Besonderheiten wie z.B. die Vauban-Kasernen - von den Nationalsozialisten erbaut und nach 1945 von den französischen Alliierten militärisch genutzt -  avancierten durch Konversion zu einem sozialökologischen Vorzeigeprojekt der Stadt. Diese spannungsreiche Entwicklung lädt zur künstlerischen Auseinandersetzung ein.
Ein besonderes Augenmerk möchten wir auf den Gegenwartsbezug des Themas lenken. Was sind die Burgen und Mauern unserer Zeit und wessen Freiheit schützen sie? Die Ausstellung soll den Blick über die Mauern der „Freien Burg“ in mitten der Festung Europa heben und auch die globalen Aspekte von Schutz und Freiheit beleuchten. In welcher Zukunft will Freiburg leben und wie gestalten ihre BürgerInnen diese mit?

Neben Bildern und Skulpturen werden auch installative und performative Arbeiten geschaffen, die die BesucherInnen zum Mitwirken und Miterleben einladen.

Gemeinsam wollen wir die Zeit bis zum Stadtjubiläum 2020 nutzen, um uns mit dem Thema „Frei-Burg“ inhaltlich und künstlerisch auseinanderzusetzen und die Ausstellung zu entwickeln.

Einführungsrede:

 

(Rede Atai Keller)

Liebe Freundinnen und Freunde , liebe Zuhörerschaft,

 

 

 

Politik, Kunst und Kultur und der Stadtteil Vauban sind schon immer eng miteinander verknüpft. Auch wenn der Namensgeber des Stadtteils der Marquis de Vauban eher als Schlachtenstratege und General und später als Festungsbauer Ludwigs des XIV. sich einen Namen machte, sind die Bewohner*innen des heutigen Stadtteils Vauban eher friedlich, streng ökologisch ausgerichtet, und als kulturfreundlich und eigenständig kritisch bekannt.

 

 

 

Das Gelände hat eine bewegte Geschichte: 1937 als Schlageter – Kasernen in Nazi-Nutzung, nach dem Krieg von den Franzosen weiter entwickelt und bewohnt, dann 1990 nach ihrem endgültigen Abzug von der unabhängigen Siedlungsinitiative SUSI übernommen. Heute ist das entwickelte Gelände DER Freiburger Vorzeigestadtteil der nachhaltigen Green City - und das nicht nur zur Freude der Bewohnerschaft. 1993 dann der Kampf um das Haus 34, dem ersten Kulturtreff in Selbstverwaltung (KTS), heute beheimatet auf dem Gelände des Bahnwerks in der Baslerstrasse, Kommando Rhino, als Kunst, Kultur und Wagenkollektiv in seinem 2 jährigen Bestand 2011 unvergessen im stetigen Kampf um einen dauerhaften Verbleib, - und immer versuchten einige Bewohner*innen Leben Arbeiten und Kultur zu einem Lebenskonzept zu zimmern. In diesem Zusammenhang sehe ich auch etwas die im Jahre 2003 als Verein gegründete Initiative von Künstler*innen aus dem Stadtteil und das von ihnen seitdem verwaltete Atelier im 2. Obergeschoss des Südens in Haus 37. In der Selbstbeschreibung des Vereins Aktionskreis Kunst VAUBAN heißt es: „Neben unseren Ausstellungen und Lesungen befördern wir die Kunst im öffentlichen Raum. Durch die Initiative einzelner Künstler*innen und der Beteiligung von Jugendlichen entstanden unter anderem die Georg Elser Stele oder die runde Tafel an der Solaranlage zu der Malerin Paula Moderson-Becker.

 

 

 

In der Tat hat die Stadt Freiburg bei der Planung des Geländes als nachhaltiges Wohnquartier die Kunst im öffentlichen Raum einfach vergessen. Wie übrigens das Stadtteilhaus auch. Beides musste sich die Bewohnerschaft erst erkämpfen. Und die Kunst im Quartier ist meistens von gesellschaftlichen Aussagen geleitet. Und so nähern wir uns langsam dem heutigen Ausstellungsprojekt an: „Frei-Burg, wie viel Burg brauch die Freiheit und wie viel Freiheit braucht die Burg?“

 

 

 

Das fragten sich übrigens auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt im Jahre 1366 nach vielen Fehden mit den Grafen von Freiburg auf dem Schlossberg und verjagten die Burgherren kurzerhand und kauften sich schließlich frei, um sich dann unter den Schutz des Hauses Habsburg zu begeben. Die Freiheit erlangten sie dadurch allerdings kaum. Und auch Hecker und Struve waren ihrer Zeit noch voraus, als 1848 unter der Devise: „Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle“ die Republik in Lörrach und in Müllheim ausgerufen wurde. Bekanntermaßen beendeten preußische Truppen diese kurzen Republikanischen Traum und Struve wurde in Freiburg der Prozess gemacht. Er konnte später nach Amerika auswandern im Gegensatz zu den beiden Freiheitskämpfern Friedrich Neff und Gebhard Kromer, die hier erschossen wurden und ganz in der Nähe in der Wiehre begraben liegen. Immer war der Drang nach Freiheit und ist es bis heute auch mit dem Einsatz des persönlichen Lebens verbunden.

 

 

 

Doch kehren wir auf die Ebene der Kunst zurück. Kunst kann Fragen stellen, aufrütteln oder betroffen machen, Kunst kann ermahnen, zuzuspitzen, Zusammenhänge herzustellen oder auch ironisieren. Eben: „Wie viel Burg brauch die Freiheit und wie viel Freiheit braucht die Burg?“

 

 

 

5 Künstlerinnen also aus dem Kreise des AK Vauban, der normalerweise bis zu 20 Personen umfasst, versuchen sich hier der Frage anzunähern, immer mehr Menschen verteidigen ihre Freiheit mit einer möglichen Einschränkung für andere. Könnten Burgen auch berechtigt sein, was sind die Burgen und Mauern unserer Zeit, und wessen Freiheit sollen sie schützen? Auch ist die Festung Europa ein Thema, mit den unmenschlichen Außengrenzen, nicht zuletzt die Frage, in welcher Zukunft wollen wir leben und wie gestalten Freiburgs Bürgerinnen und Bürger ihre Zukunft?

 

 

 

Damit ist der Bogen zum 900 jährigen Stadtjubiläum geschlagen. Auch dieses Ausstellungsprojekt wurde aus dem Jubiläumstopf gefördert. Nach den vielen Absagen von Großveranstaltungen ist es nun ein Jubiläum der kleineren Initiativen und Gruppierungen geworden, eher der ruhigeren Veranstaltungen, die geben dem Jubiläum jetzt ein Gesicht, eben wie Freiburg auch funktioniert als Gemeinschaft vieler Aktivitäten und Initiativen zum sozialen Ausgleich, gegen Rechtsradikalismus, zum ökologischen Wandel und zur kulturellen Weiterentwicklung.Denn nur gemeinsam geht es voran!

 

 

 

So, treten Sie also näher, 14 Betrachterinnen und Betrachter dürfen gleichzeitig mit Maske in den Ausstellungsraum, es erwarten sie Anne Peschlow mit ihrer gemalten eindrucksvollen Chronologie in 5 Bildern über die Geschichte des Stadtteils und Freiburgs von den Nazis bis zu Wyhl und den aktuellen Freiheitsbewegungen mit dem Baum der Hoffnung, Christel Jax mit ihrer feinen Installation der Lebensjalousie frei für Interpretationen des eigenen Lebensweges, Annette Burrer mit einer Fülle von Zeichnungen, Druckgrafiken und Letterndrucke zum Thema Freiheit und Sicherheit und mit aufwendig gemachten Leporellos in vielfältiger Assoziazion mit Freiburg-Bezug, aber auch zum Namensgeber Marschall Vauban und zu Buridans Esel, der sich nicht entscheiden kann. Es erwarten Sie eine Installation aus gehortetem Klopapierrollen von Eva Maria Berg, eine Art Burgfrieden, der aber trügerisch ist, weil die Konstruktion fragil und instabil ist und so kommt vielleicht das Sicherheitsbedürfnis der Betrachter*innen schneller ins Wanken als Ihnen lieb ist. Die Rollen sind übrigens käuflich erwerbbar. Zuletzt zwingt uns Ulrike Schubert mit ihren Mehrfachbelichtungen und dem Zusammenführen von gegensätzlichen Motiven auf einem Bild zum Nachdenken über den Zustand der Gesellschaft, über Herrschaft und Gerechtigkeit, über Gewalt und Tod, Vielfalt und Überleben, über Exil und Flucht und über die unermessliche Sehnsucht nach Freiheit. Lassen Sie sich inspirieren! Lassen Sie Ihre Papierschwalbe fliegen!